© 1992-2011  by JDKel • JDKe@t-online.de impressum 6.09.1886 Meuselwitz sollte eine neue Mädchenschule bekommen Gebaut wurde an der „ungeeignetsten" Stelle In zwei Folgen berichten wir über den Bau einer neuen Mädchenschule in Meuselwitz. Heute geht es zunächst um den jahrelangen Streit, der um den Bauplatz entbrannt war Als Friedrich Löffler vorschlug, das 23,4 Hektar umfassende Anwesen des Gottgetreu Böttger an der Bahnhofsfraße zu erwerben, wurde dasselbe für 9200 Mark angekauft und durch das angrenzende Gelände von Nauedorf für 3000 Mark erweitert. So war man auf einen Bauplatz gekommen, der zwar inmitten der Stadt gelegen war, aber doch als der ungeeignetste bezeichnet werden musste, weil hier der Verkehr am stärksten und der Straßenlärm am störendsten sich bemerkbar machte. Am 16. November 1886 wurde der Neubau beschlossen, der von Maurermeister Beier ausgeführt werden sollte: ein Rohbau, der Knaben und Mädchen aufnehmen sollte und in zwei Etagen 16 Schulzimmer mit allem Zubehör aufwies. Auf 'eine Ausschreibung hin waren 15 Pläne mit folgenden Mottos eingegangen: Vorwärts - Einfach Aller Anfang ist schwer - Für die Jugend - Wie der Vogel, so das Nest, wie der Mensch denkt, so baut er - Jedem das Seine - Glück auf - Ostlicht -Rationell - Gut und einfach. Diese Mottos sind für uns heute unerklärlich. Als Schiedsrichter war Stadtbaurat Elberling berufen worden, der die drei ersten Preisträger bestimmte und den Rat gab, den Plan: „Wie der Vogel, so das Nest" anzukaufen. Schulvorstand und Stadtrat einigten sich, nach diesem Plane bauen zu lassen. Am 16. September 1886 war mit Herrn Rust der erste Rektor für Meuselwitz angestellt worden. Das geschah zur gleichen Zeit, als Bürgermeister Dietrich Plagge in seinem Amt bestätigt wurden. Dieser wandte sich mit dem Ersuchen an die Regierung, der Gemeinde eine Unterstützung zukommen zu lassen, mit der Begründung, dass der Schuletat 10 918 Mark betrage, das Areal der Stadt 584 Hektar umfasse, wovon auf das Rittergut allein 200 Hektar kommen. Während diese 200 Hektar schuldenfrei sind, sei das Areal der Stadt zur Hälfte verschuldet. Auch stehe die Stadt vor Aufgaben, die große finanzielle Opfer forderten: die Kanalisation, die Wasserleitung und der Ausbau verschiedener Straßen. Der Schulbau käme auf 120 000 Mark. Die Lehrer zur damaligen Zeit waren: Rektor Rust, Kontor Müller, Organist Kühn, Lehrer Fröhlich, Hermann, Vogel, Pröhl, Seiferth, Bikar Sämann und Kontor Benkert. Dem Schulvorstand gehörten acht Mitglieder an. Das Stadtgemeindeamt bestand ebenfalls aus acht Personen. Die Grundsteinlegung fand an einem Sonntag statt. Es war ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte der Meuselwitzer, Stadtrat, Kirchenvorstand, Rittergutsbesitzer, Bauleute, das 20 Mann starke Trommler- und Pfefferkorps, die Lehrer und 800 Schulkinder nahmen an dieser Feier teil. Mit dem in Meuselwitz geborenen Seidenwarenfabrikant G. Plitzner aus Frankenberg in Sachsen, hatte sich an diesem Tag auch ein Förderer der Schule eingefunden. Als Geschenk brachte er einen Riesenglobus mit. Der Bau der Schule zog sich bis zum 21. Januar 1889 hin. Die Festrede von Dr. Schönefeld endete mit dem Salz, der am Portal der Mädchenschule eingemeißelt ist: „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang!“   G. Matuszczak